Trassenbau
Über den Trassenbau gibt es ebenso viele Internetseiten wie Meinungen. Auf keinen Fall denken wir das non-plus-ultra gefunden zu haben - wir sind aber der Meinung, dass wir mit unserer (ausprobierten) Lösung ein optimales Verhältnis aus den Faktoren
· Kosten
· Stabilität
· Geräuschdämmung
· Verarbeitungsgeschwindigkeit
erreichen konnten. Versuche mit Butylkautschukband stehen allerdings noch aus - wir suchen noch eine preiswerte Bezugsquelle dafür. Und nein, 40 Euro für 40 Meter Butylkautschukband finden wir nicht preiswert. Bei den heutigen Vorstellungen von "preis-wert" der Hersteller fällt es schon nicht leicht, den Spaß an der Modellbahn nicht zu verlieren...
Also, zurück zum Trassenbau:
Ein stabiler, verwindungssteifer und - je nach Anlagenaufstellort - auch feuchtigkeitsunempfindlicher Unterbau sollte sein. Feuchtraumverlegeplatten in 13mm Stärke eignen sich dafür genauso wie Pappelsperrholz in 8mm Stärke - bei letzterem allerdings sollte man darauf achten, dass man abgelagertes Holz bekommt, das sich nicht schon beim Zuschnitt biegt. Leider haben sich hier Zuschnitte aus dem Baumarkt als viel zu weich erwiesen; die gleichen Zuschnitte aus der Schreinerei hingegen sind gerade und biegen sich nicht so schnell durch - nicht so schnell heisst aber auch hier leider: Sie biegen sich irgendwann durch. Grundsätzlich muss man sich im Vorfeld des Trassenbaus darüber klar sein, dass der Vorteil der Verwindungssteifigkeit eines Trassenbrettchens den Nachteil einer dickeren Trasse mit sich bringt. Wer in wenigen Ebenen übereinander baut wird die Verwindungssteifigkeit einer dickeren Trasse bevorzugen, da der Zentimeter Höhenunterschied nicht in's Gewicht fällt. Ist die Anlage jedoch kleiner, wird das schon wieder zum Problem: Steigungen bis auf das nächste Niveau sind dann schon deutlich länger. Wer aber eine Oberfräse besitzt, kann auch das dickere Trassenbrett an der Stelle der Unterführung verdünnen oder nur dort ein dünneres Brettchen einfügen...
Schallschutz
Einige Modellbahnhersteller haben es inzwischen begriffen, dass der Modellbahner in der Regel keine Stereoanlage neben der Anlage aufbaut, um die Fahrgeräusche der Fahrzeuge zu übertönen - einige aber leider nicht. Die Laufgeräusche selbst neuer Minitrix-Fahrzeuge finden wir persönlich zum Beispiel inakzeptabel, was uns davon abhielt, vor kurzem noch einen (optisch sehr schönen) ÖBB-Taurus zu erwerben (Minitrix, das konntet Ihr mal besser!). Sicher sagt der ein oder andere nun "sooo laut sind die auch nicht" - ok, Geschmackssache. Aber: Die Geräusche addieren sich ja - und wenn 8 Züge ihre Runden drehen wird die Geräuschkulisse zunehmend unerträglicher. Ein Bekannter von uns drückte die Fahrt des klassischen "Krokodils" mit Güterzug einmal so aus: "Eine Wohltat für die Ohren - wenn sie steht". (OK, OK, das Ding ist von Arnold - und ein Klassiker!)
Das "typische" Modellbahngeräusch entsteht an mehreren Stellen: Zum einen in der Lokomotive - je nach Hersteller und Bauart sind die Maschinen sehr leise bis sehr laut. Gegen ein lautes Motorengeräusch kann die Trasse nicht helfen - aber dagegen, dass dieses Geräusch verstärkt wird. Zum anderen entstehen Geräusche beim Abrollen der Lok- und Wagenräder auf der Schiene.
Auch wenn die entstehenden Geräusche "an sich" nicht laut empfunden werden, so muss man sich den Weg des Schalls einmal vor Augen halten:
Motorgeräusch -> Übertragung auf Lokomotive -> über das Fahrgestell Übertragung auf die Schiene -> über die Schiene auf die Gleistrasse
...und damit auf den gesamten Anlagenrahmen.
Die Übertragung auf die Schiene kann man nicht verhindern - wohl aber weitere Abrollgeräusche (siehe Tips und Tricks: Gleisbau N). Der Trassenbau setzt an der Stelle "Übertragung von der Schiene auf die Gleistrasse" an:

Messungen haben ergeben, dass eine Lokomotive (ohne Wagen!) bei mittlerer Geschwindigkeit (massstabsgerechte 80 km/h) durchaus bis zu 65 db Lärm erzeugen kann. Wichtig dabei ist aber, wo man diesen Schall misst: Unter (!) der Anlage. Selbst wenn die Lokomotive bzw. der Zug nicht laut empfunden wird, er gibt die Vibrationen an das Gleis ab, welches in der Regel ja auf die Trasse genagelt wird. Allein der Nagel sorgt für eine feste Verbindung zwischen Gleis und Trasse, so dass eine Dämmung durch das Nageln wieder zunichte gemacht wird - zumindest grösstenteils.
Um eine Dämmung bewerten zu können, muss man diese unter gleichen Messbedingungen testen. Hier mal ein paar Dämmmaterialien, die dauerflexibel bleiben - wobei ein Grossteil der Suche in den angebotenen “Trittschalldämmungen” für Bodenbeläge lag, die aber meist nur den gleich lauten Schall dumpfer klingen lassen und gar keine echte Reduktion für den Modellbahnbetrieb ergeben:
Alle Messungen auf 7mm Holztrasse, unter der Anlage in 20 cm Abstand zur Trasse gemessen, Werte = Mittelwerte von 20 Messfahrten mit maßstabsgerecht 80 km/h und 20 Messfahrten maßstabsgerecht 120 km/h, alle mit der selben Lokomotive, selber Trafo, selbe Fahrstellung, beide Fahrrichtungen. Der Schallpegel nimmt aufgrund der Resonanzwirkung des Anlagengestelles, meist in Verbindung mit Raumwänden an zwei bis drei Seiten des Anlagengestelles, in den Raum hinein nur unwesentlich ab. Messwerte in Raummitte haben bei Versuchswiederholung oberhalb der Anlage in Ohrhöhe ungefähr 65 db (bei einem gemessenen Anlagenunterschall von 69 db) ergeben. Zum Vergleich: Ein Rasenmäher in 10 m Entfernung hat 60 db; bei 65 db besteht bei ständiger Einwirkung ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bereits 70 db entspricht dem Dauerschallpegel an einer Hauptverkehrsstraße tagsüber. 6 Lokomotiven bzw. Züge mit je 65 db Schallpegel ergeben zusammen eine Lärmbelastung von fast 73 db.
So, das muss man bis hierhin mal kommentieren:
4: Kork: Ist wohl die Enttäuschung schlechthin: Zwar ergibt sich durch den Kork bei Verklebung ein dumpferes und dadurch leiser empfundenes Geräusch, und oberhalb der Trasse auch tatsächlich eine leichte Reduktion des Schalls, aber unter der Anlage - dort, wo der Resonanzraum ist - leider nicht wirklich. Sollte man dann bei Kork die Gleise noch aufnageln, kann man den Kork auch direkt weglassen! Kork eignet sich höchstens als Zusatz zu anderen Dämmunterlagen, wenn man sich diese zusätzlichen 3 mm gönnen will oder kann.
5: WeGa-Schalldämmband: Gab es in N und H0 - wir haben den Vertrieb im August 2013 eingestellt. Die Dämmwirkung war schon sehr gut, wenn auch die Verlegung in Kurven ein wenig Geschick erforderte - dafür war das Band einseitig selbstklebend.
1, 2 & 3: Trittschalldämmung für Laminat ist wohl ebenso enttäuschend im Anlagenbau wie Kork - designed ist das Zeug für den Trittschall, nicht für Fahrschall. Anders können wir uns die sogar mit dieser Unterlage höhere Schallbelastung unter der Anlage nicht erklären. Die billigste Variante (Baumarkt, 20-m-Rolle ca. 25 Euro) mit einseitig textil belegtem Gummi dämmt sehr gut, aber sie wird leider nach ein bis zwei Jahren extrem hart und brüchig und verliert dann ebenso extrem an Dämmwirkung. Schade! Vielleicht aber der Grund, warum der Nachbar unter Dir nicht so überzeugt von Deiner Trittschalldämmung ist wie Du selbst... ;)
7 & 8: Gummikork: Wohl die Überraschung schlechthin. Bei genauerem Hinsehen aber auch logisch: Wo Kork durch Kleber die einzelnen Stückchen zusammenhält und damit sämtliche Zwischenräume, die den Schall schlucken könnten, ausfüllt, wird guter (!) Gummikork thermisch ‘verschmolzen’ oder mit weniger Kleber verklebt, aber zwischen den Teilchen bleibt Luft. Über 10 db bei nur 2 mm Dicke - und dabei flexibler als Kork! Hut ab! Absoluter Irrsinn ist der 3 mm dicke Gummikork: Immer noch super zu verarbeiten, leicht zu verkleben und von der Dämmwirkung genial!
10: Bautenschutzmatte: Diese eigentlich für den Bautenschutz gefertigte Matte wird auch Gummigranulatmatte genannt. Der Eine oder Andere kennt sie bestimmt in dickerer Ausführung unter seiner Waschmaschine im Keller. Die Verlegung bekommt zwar eigentlich auch drei Sternchen, aber der Zuschnitt und die Verarbeitung nicht - deshalb insgesamt nur 2 Sternchen. Dadurch, dass das Gummigranulat nicht verklebt ist, ist die Matte etwas brüchiger als der Gummikork. Im Endeffekt braucht man für den Zuschnitt aber ohnehin einen Tisch - viel dürfte das also nicht ausmachen, zumal die Tatsache, dass kein Leim die Hohlräume der Matte füllt, vorteilhaft für die Dämmwirkung ist... ...und der bisherige Spitzenwert in der Messtabelle! Eine Schallpegelreduktion unter der Anlage von 69 db auf 52,6 db ist mehr als erstaunlich und ein hervorragendes Ergebnis! Die Verlegung und der Zuschnitt ist allerdings eine ganz andere Sache - das Zeug ist gefühlt hart wie Beton und frisst Cuttermesser!
Sieger ist für uns eindeutig der Gummikork - er hat ein super Preis-Leistungs-Verhältnis, ist Rollenware auf 1,50 m oder 2 m Breite und lässt sich mit Sprühkleber z.B. hervorragend auf den Anlagenbrettern verkleben. Tip: Grob zuschneiden, aufkleben und nach dem Trocknen des Klebers mit einem Cutter die Ränder entlang der Anlagentrassen abschneiden. Funktioniert mit ab und an einer neuen Klinge superschnell und glatt!